Iran September-Oktober 2014: Es grünt so grün – Die Parks von Esfahan

Schon im letzten Teil meines Reiseberichts habe ich ja auf die wunderschönen Esfahaner Parks hingewiesen, die dem Wassermangel zum Trotz in sattem Grün leuchten. Das verdanken sie natürlich der sorgfältigen Pflege, die man ihnen angedeihen läßt. Dabei nimmt das Ausmaß der Sorgfalt schon fast deutsche Züge an. In diesem Jahr habe ich nämlich sowohl in der Parkpromenade am Nordufer des Flusses Zâyande-Rûd als auch im Hascht-Behescht-Park eine Entdeckung gemacht, die mir für iranische Verhältnisse doch ungewöhnlich erschien: Mülltrennung in öffentlichen Mülleimern.

Mülltrennung in "trockenen" und "feuchten" Abfall

Mülltrennung in „trockenen“ und „feuchten“ Abfall

Allerdings hatte ich nicht den Eindruck, daß die Mülltrennung besonders konsequent umgesetzt wird – nur habe ich das nicht photographisch festgehalten. Immerhin steht alle paar Meter so ein Mülleimerduo, so daß man seinen Müll längst nicht so lange mit sich herumschleppen muß wie hierzulande. Das Wort „pas-mând“ („Zurückgebliebenes“) für Abfall war mir übrigens neu. In jedem Fall ist es eine komplett persische Zusammensetzung, wie man das bei einem offiziellen Neologismus erwarten darf. 😉

Eine weitere Eigenheit der iranischen Parks nicht nur in Esfahan, sondern auch in Teheran und vermutlich auch in anderen Städten sind die öffentlichen Fitneßgeräte.

Öffentliche Fitneßgeräte im Park am Zâyande-Rûd 1

Öffentliche Fitneßgeräte im Park am Zâyande-Rûd 1

Öffentliche Fitneßgeräte im Park am Zâyande-Rûd 2

Öffentliche Fitneßgeräte im Park am Zâyande-Rûd 2

Diese Geräte werden zwar hauptsächlich von älteren Herren genutzt, aber das ist schon deshalb nicht weiter verwunderlich, weil diese Bevölkerungsgruppe in besonders großer Zahl in den Parks anzutreffen ist. Männer gehören nämlich tagsüber nicht ins Haus, und wenn sie ein Alter erreicht haben, in dem sie nicht mehr zur Arbeit gehen (können), dann setzen sie sich eben in den Park und unterhalten sich mit ihren Altersgenossen. Junge Leute trainieren eher im Fitneßstudio – und Frauen aus Anstandsgründen ohnehin vor allem in geschlossenen Räumen ohne männliche Zuschauer.

In einem warmen trockenen Land gehört zu einem schönen, erholsamen Garten mehr als nur saftiges Grün, nämlich Wasser in Bewegung. Fontänen sind nicht nur hübsch anzusehen, wenn sie wie hier geometrische Formen bilden, sondern kühlen auch die Sitzbereiche rund um das Becken.

Fontänen im Hascht-Behescht-Park

Fontänen im Hascht-Behescht-Park

Doch es gibt nicht nur große Fontänen, sondern man hat auch kleine Bachläufe angelegt, in denen das Wasser plätschert und über die kleine Brücken führen.

Künstlicher Bach im Hascht-Behescht-Park

Künstlicher Bach im Hascht-Behescht-Park

Künstlicher Bach im Hascht-Behescht-Park

Nahaufnahme: Künstlicher Bach im Hascht-Behescht-Park

Und wenn das viele Wasser den Betrachter schließlich durstig macht, so gibt es im Park auch eine öffentliche Trinkquelle. Als Ausländer sollte man sich dort aber sicherheitshalber nicht bedienen, sondern besser an den Kiosken, die abgepackte Getränke anbieten.

Öffentlicher Trinkwasserspender im Hascht-Behescht-Park

Öffentlicher Trinkwasserspender im Hascht-Behescht-Park

Nahaufnahme

Nahaufnahme

 

 

 

Die großen Fontänen gehören übrigens zu dem Becken vor dem Hascht-Behescht-Palast.

Fontänen im Wasserbecken vor dem Hascht-Behescht-Palast

Fontänen im Wasserbecken vor dem Hascht-Behescht-Palast

In den meisten Beschreibungen wird „Hascht Behescht“ als „Acht Paradiese“ (hascht = acht; behescht = Paradies) wiedergegeben (z.B. hier) oder auf die achteckige Form hingewiesen (z.B. hier). Es gibt aber auch eine andere Erklärung, die besagt, daß „hascht“ in diesem Fall nicht „acht“ bedeutet, sondern ein Wort aus dem Dialekt von Esfahan sei und einen Teil des Eingangsbereiches eines Hauses bezeichne. Dann hieße „Hascht Behescht“ nicht „Acht Paradiese“, sondern „Eingang zum Paradies“. Was richtig ist, weiß ich nicht, aber nach dem Prinzip, daß die kompliziertere Lesart wahrscheinlich die richtige ist, wäre die zweite Erklärung zumindest in Erwägung zu ziehen. Vielleicht wissen Sie ja mehr darüber?

Hascht-Behescht-Palast (Kâch-e Hascht-Behescht) aus dem 17. Jh.

Hascht-Behescht-Palast (Kâch-e Hascht-Behescht) aus dem 17. Jh.

Neben den historischen Sehenswürdigkeien gibt es in den Parks aber auch zoologisch Interessantes zu entdecken wie etwa die hübschen Rabenvögel, die dort sehr zahlreich anzutreffen sind und sich von unseren Raben und Krähen deutlich unterscheiden. Auf persisch nennt man sie lautmalerisch „Kalâgh“.

Rabenvogel (kalâgh) im Hascht-Behescht-Park

Rabenvogel (kalâgh) im Hascht-Behescht-Park

"Kalâgh" im Hascht-Behescht-Park von hinten

„Kalâgh“ im Hascht-Behescht-Park von hinten

Vögel sind in den Parks übrigens nicht nur als lebende Wesen anzutreffen. Es gibt auch in Vogelform geschnittene Büsche und Bäumchen. Und die gibt es nicht nur in den Parks, sondern auch auf den grün gesäumten Ruheinseln mitten im Straßenverkehr, wo auch Wasserbecken angelegt wurden.

"Vogelbusch"

„Vogelbäumchen“ an einer Kreuzung

Da ich hoffe, daß Sie den Anblick des grünen Parks ebenso sehr genießen wie ich, schließe ich mit einigen Bilder aus dem Hascht-Behescht-Park. Wie Ihnen sicher aufgefallen ist, habe ich diesen Park besonders häufig aufgesucht – nicht zuletzt, weil er auf meinem Weg zum Meydân lag und ich nach wenigen Minuten im Gewühl und vor der nächsten gefährlichen Straßenüberquerung gern ein Päuschen dort eingelegt habe.

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Ich stehe mit meiner Vorliebe zu den Parks aber nicht allein, denn auch die Einwohner Esfahans und noch mehr die inneriranischen Touristen, die zum Beispiel zu Nourûz in die Stadt kommen, halten sich dort gerne auf und legen sogar Decken und Kissen auf den Grünflächen aus – für das Picknick der Großfamilie oder zum Ausruhen und Schlafen. Davon habe ich zwar kein Foto gemacht, aber hier sehen Sie, wo solche Picknicks häufig stattfinden:

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Selbstverständlich gibt es in Esfahan noch eine ganze Reihe anderer Parks und Gärten, die sicher eine Besichtigung lohnen. Eine Auswahl finden Sie am Ende dieses Wikipedia-Artikels über Esfahan.


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3 Kommentare

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