Iran September-Oktober 2014: Auf in die Kavîr!

Wie versprochen, „entführe“ ich Sie heute in die Kavîr-Wüste (dascht-e kavîr) und in ein iranisches Dorf. Daher fahren wir auch nicht ins Zentrum der Wüste, sondern in die Randgebiete, in denen es noch Siedlungen gibt. Dort trifft man auch nicht auf die berühmten Sanddünen, wie man sie sonst von Wüstenbildern kennt, sondern auf Stein- oder Geröllwüste mit etwas Vegetation.

Geröllwüste in der Kavir

Geröllwüste in der Kavîr

Dieses Bild habe ich zwischen Nasrâbâd und Schâh-Seyyed-‚Alî – benannt nach dem dortigen Emâmzâde und im Volksmund Schâhzde’alî gesprochen – in der Provinz von Esfahân im Distrikt Biâbânak gemacht. („Biâbânak“ heißt übrigens „kleine Wüste“.) Im Hintergrund kann man sehen, daß die nächste Siedlung nicht weit entfernt ist. Wir sind auch in der Nähe der Straße geblieben. Durch den Wind, der den Straßenlärm in die entgegengesetzte Richtung geblasen hat, war es aber trotzdem sehr ruhig.

Vorher war mir gar nicht klar, daß in der Kavîr auch Weihrauch wächst. So sieht er aus:

Weihrauch

Weihrauch

Aber wir waren nicht nur wegen der Fotos in der Wüste, sondern eigentlich zum Picknick – genauer gesagt: zu einem späten Frühstück. Im klassischen Persisch nennt man das „tschâscht“.

Picknick_1

Zweites Frühstück in der Kavîr

Besonders erstaunlich fand ich, daß es in der Kavîr deutlich kühler ist als in Esfahân. Die Sonne scheint zwar kräftig und wärmt von oben, aber die Luft und damit auch der Wind sind angenehm lau – vor allem, wenn man aus einem aufgeheizten unklimatisierten Auto steigt. Das Gefühl der Luft am Rand der Wüste ist schwer zu beschreiben. Ich hatte das Gefühl, als sei die Luft dort irgendwie weicher als in der Stadt.

Der kleine Ausflug in die Wüste war für mich jedenfalls ein Highlight auf der Reise. Leider hatte ich den Fotoapparat bei den Gastgebern in Mohammadâbâd liegenlassen und deshalb nur mein Smartphone dabei. Darauf sieht man bei Sonnenschein nur leider nicht, was man fotografiert. So kam dann auch dieses Bild zustande, das ich aber gar nicht mal so schlecht gelungen finde:

Handybild von mir in der Kavir

Handybild von mir in der Kavîr

Doch selbst die Wüste ist nicht „geschichtsfrei“, denn wir hatten uns zufällig ganz in der Nähe von einem Qanât-Belüftungsschacht niedergelassen. Qanât – oder persisch Kârîz – nennt man die historischen Bewässerungskanäle, die schon in vorislamischer Zeit jahrhundertelang Wasser aus den Bergen oft kilometerweit zu den Siedlungen und Feldern leiteten. Die Reinigung dieser Kanäle war wegen der Einsturzgefahr nicht ungefährlich – ebenso wie der Aufenthalt am Rand eines Belüftungsloches. Deshalb durfte ich nicht näher heran als so:

Ende eines Bewässerungskanals

Belüftungsloch eines Bewässerungskanals

Nach dem Ausflug in die Wüste kehrten wir zurück nach Mohammadâbâd, das gleich neben Nasrâbâd liegt. Beide gelten mittlerweile als „Stadt“, doch für uns ist ein Ort mit ungefähr 8.000-10.000 Einwohnern doch eher ein Dorf, und deshalb nenne ich den Ort auch so. Immerhin hat dieses Dorf aber zwei Gymnasien vorzuweisen – eins für Jungen und eins für Mädchen. Trotz jetzt verfügbarem Fotoapparat habe ich das Gebäude im Gehen nicht so gut getroffen, aber das ist eines dieser Gymnasien:

Gymnasium von Mohammadâbâd

Gymnasium in Mohammadâbâd

Dafür habe ich jede Menge Fotos von der qâdschârenzeitlichen Festung gemacht, die in Mohammadâbâd ebenfalls noch steht und zum Teil sogar restauriert worden ist.

Festung von Mohammadâbâd

Leider konnten wir an diesem Abend keine Führung mehr bekommen, aber ich habe zumindest durch eine Ritze hineinfotografiert:

Blick in die Festung

Blick in die Festung

Hier sieht man das alte Reichsemblem über dem Festungstor: den Löwen mit dem Schwert in der Pranke vor der Sonne.

Löwe und Sonne

Löwe und Sonne

Wie an Privathäusern gab es auch an der Festungspforte zwei verschiedene Türklopfer für Männer und Frauen – so wußte man drinnen gleich, welches Geschlecht vor der Tür stand. Wenn es ein Mann war, sollte natürlich keine Frau die Tür öffnen, um den Kontakt mit fremden Männern zu vermeiden.

Getrennte Türklopfer für Männer und Frauen

Getrennte Türklopfer für Männer und Frauen

Die Festung ist übrigens ganz schön groß für den kleinen Ort. Ich hoffe, die Bilder vermitteln davon wenigstens eine Ahnung.

Eine weitere Seite der Festung

Eine weitere Seite der Festung

Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, daß wir die Festung auf einem Abendspaziergang besichtigt haben. Deshalb kam ich in den Genuß eines Anblicks, den ich so vorher zumindest noch nie bewußt wahrgenommen hatte: ein riesiger gelber Vollmond am Himmel, der so nah wirkte, als könne man ihn anfassen. Leider sieht das auf den Fotos nicht halb so beeindruckend aus wie in Wirklichkeit.

Vollmond über Mohammadâbâd

Vollmond über Mohammadâbâd

Die Infrastruktur in Mohammadâbâd ist übrigens ziemlich gut für ein kleines Dorf am Rande der Wüste wie die vielen Stromleitungen im Bild vielleicht schon verraten.

Obwohl die Bilder nicht an das wirkliche Erlebnis herankommen, möchte ich Ihnen zum Abschluß doch noch ein paar Impressionen von Mohammadâbâd zeigen. Die Ruhe auf so einem Dorf am Rande der Kavîr und besonders die Abendstimmung legen sich wie Balsam auf die Seele und erfüllen mit innerem Frieden – jedenfalls ging es mir so.

Abendimpressionen

Abendimpressionen in Mohammadâbâd

Abendimpressionen

Feierabend

Abendimpressionen

Über den Dächern die Minarette der Moschee

Abendimpressionen

Kinder in der Gasse

Abendimpressionen

Ein halb verfallenes Haus

Abendimpressionen

Und noch einmal der Mond

Nachdem Sie nun Stille und Frieden auf dem Dorf genossen haben, macht es Ihnen sicher nichts aus, auf der nächsten Etappe der Reise wieder in die Stadt zurückzukehren. 🙂


Donate Button with Credit Cards

4 Kommentare

  1. Pingback: [Persophonie] Iran September-Oktober 2014: Auf in die Kavîr! - #Iran | netzlesen.de

  2. Der Baustil der Festung von Mohammadâbâd erinnert mich ein wenig an Baustile im nordwestlichen Afrika. Vermutlich hat sich dieser Architekturstil in Wüstengegenden einfach bewährt — auch wenn sie weit auseinander liegen.

    • Stimmt, da gibt es Ähnlichkeiten. Leider habe ich mich nicht mit Architekturgeschichte befaßt. Ein Fachmann – oder eine Fachfrau 😉 – könnte uns sicher genauer erklären, woher Gemeinsamkeiten kommen (könnten) und worin die Unterschiede liegen. Vielleicht vertiefe ich das bei Gelegenheit mal. Kommt jedenfalls auf die Liste.

  3. Pingback: Unser Blogprofil oder warum wir nicht über Politik bloggen | Persophonie: Kultur-Geschichte

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


YouTube aktivieren?

Auf dieser Seite gibt es mind. ein YouTube Video. Cookies für diese Website wurden abgelehnt. Dadurch können keine YouTube Videos mehr angezeigt werden, weil YouTube ohne Cookies und Tracking Mechanismen nicht funktioniert. Willst du YouTube dennoch freischalten?