„Der erfolgreichste aller Sklavenkönige“ – einige Bemerkungen zu Iltutmish

Er sei der „erfolgreichste aller Sklavenkönige“ – so urteilen in Indien nicht nur muslimische Historiker über den Herrscher Iltutmish (st. 1236), den Vater Razia Sultans.

Sowohl durch seine militärischen Erfolge als auch durch seine administrativen Fähigkeiten konnte Iltutmish das noch in der Entstehung begriffene Sultanat von Delhi retten und zusätzlich die Verbreitung des Islam im heutigen Nordindien stärken.

Es gibt viele Varianten der Biographie Iltutmishs, da sich einige Legenden um seine Lebensgeschichte ranken. So wird behauptet, dass Iltutmish selbst zum türkischen Adel gehörte, sein Bruder aber aus Eifersucht dafür gesorgt habe, dass Iltutmish in die Sklaverei verkauft wurde. So wurde Iltutmish zum Sklave (ghulâm) Ein wohlhabender Kaufmann namens Jamâl ud-Dîn habe ihn gekauft und ihn wie einen Sohn behandelt. Schließlich wurde er zum persönlichen Sklaven von Qutb ud-Dîn Aibek, dem Begründer des Delhi Sultanats und Begründer der Sklavendynastie. Qutb ud-Dîn soll einer weiteren Legende nach die Führungsqualitäten Iltutmishs sehr früh erkannt haben. So verheirate er nicht nur seine Tochter mit Iltutmish, sondern machte ihn zum Statthalter des oberen Gangestals.

Als Qutb ud-Dîn beim Polo (chauhan) tödlich verunglückte, übernahm zunächst Ârâm Shâh die Herrschaft – wobei nicht klar ist, ob er mit Qutb ud-Dîn verwandt war. Iltutmish besiegte ihn schließlich und konnte schließlich ein großes Gebiet in Nordindien unter seiner Herrschaft vereinen. Dieses war zum einen in den militärischen Fähigkeiten begründet, die ihre Grundlagen in einer beweglichen Kavallerie hatten. Daran zeigte sich der Unterschied zur Kriegsführung der Rajas und Rajputen, die traditionell mit einer großen Infanterie kämpften.

Die militärischen Fähigkeiten Iltutmishs zeigten sich auch in dem Sieg, den er über die Mongolen erringen konnten. Dschingis Khan hatte mit seinen Truppen den Choresm Shâh Dschalâl ud-Dîn geschlagen und diesen mit seinen Truppen bis in die Provinz Punjab verfolgt. Als Dschalâl ud-Dîn um Asyl bei Iltutmish ersuchte, lehnte dieser ab: fürchtete er sowohl um seine Herrschaft von Seiten Dschalâl ud-Dîns als auch eine Niederlage durch die Mongolen. Schließlich konnte Iltutmish die Invasion der Mongolen verhindern. Diese konnten eine Herrschaft in Afghanistan etablieren und schließlich unter Bâbur die Mogulherrschaft in Indien errichten.

Iltutmish zeichnete sich aber auch seine administrativen Fähigkeiten aus. Er führte ein Münzsystem ein. Vierzig Sklaven wurden von Iltutmish ernannt, um ein Gegengewicht zu den türkischen Eliten zu bilden. Gerade diese vierzig (ehemaligen) Sklaven, die später selbst großen Einfluss in der Verwaltung erlangten, bildeten später eine große Opposition zu Razia Sultan. Unter Iltutmishs Herrschaft waren sie aber eine große Stütze des entstehenden Reiches.

Ein weiterer Verdienst Iltutmishs war der Ausbau Delhis zur Hauptstadt – aber die Architektur Delhis wird Thema eines weiteren Beitrages sein.

Das Beitragsbild zeigt das Grab Iltutmishs in Delhi. Das Bild unterliegt der Wikimedia Commons Licence 3.0

By Rajsb (Own work) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

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